Leben und Arbeiten in einer digitalen Welt

In der letzten Woche referierte ich bei einem Seminar der Hanns-Seidl-Stiftung zum Thema „Leben und Arbeiten in einer digitalen Welt“.

In meinem Impulsreferat bin ich auf die großen Veränderungen im Zuge der Digitalisierung eingegangen. Der Umbruch ist ähnlich revolutionär wie im Zuge der Industrialisierung. Im Rahmen der Industrialisierung gab es auch die Sorge der Menschen, sich und ihre (sinnstiftende) Tätigkeit durch den Fortschritt selbst abzuschaffen. Auch im Zug der Digitalisierung treten dieselben Bedenken der Arbeitnehmer auf. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass auf die Angst vor Veränderung und eine gewisse Abwehr dagegen sich die Bereitschaft zur Annahme des Fortschritts einstellt.

Digitalisierung begegnet uns in allen Lebensbereichen. Im Social Media Bereich ist die Digitalisierung offensichtlich.

Es gibt jedoch auch Lebensbereiche, die wir nicht unbedingt mit Digitalisierung verbinden oder in welchen noch großer Nachholbedarf besteht. Diesen Aspekt nehmen wir insbesondere im Zusammenhang mit Behören wahr; sei es in der Kommunikation untereinander (wie z. B. in der Corona Pandemie zwischen den Gesundheitsämtern oder in der Kommunikation zwischen den Ausländerbehörden in der Flüchtlingskrise).

Weiter hat aber der bisher erreichte technische Fortschritt – auch wenn nicht alles optimal verlaufen ist – uns in die Lage versetzt, in der Zeit der Pandemie, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Dies hat sicherlich viel Fantasie, Umstellung, Ideen und auch Engagement erfordert. Letztendlich wäre ohne einen gewissen Grad an Digitalisierung dies nicht möglich gewesen. Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass Digitalisierung mehr ist als die Bereitstellung eines Internetanschlusses oder der Hardware. Es bedarf zur optimalen Nutzung dazu auch der Befähigung der Lehrer und Schüler.

Auch in der Arbeitswelt ist die Digitalisierung allgegenwärtig. Dies trifft nicht nur die „Büro-Berufe“, die im Homeoffice „remote“ erledigt werden können. Auch hier hat sich in den letzten eineinhalb Jahren gezeigt, dass mit Digitalisierung viel möglich war.

Die Arbeit der Zukunft wird sich nicht nur aus Homeoffice / mobilem Arbeiten zusammensetzen, sondern wird eine Mischung zwischen der Arbeit vor Ort und mobiler Tätigkeit sein.

Aus meiner Erfahrung als Führungskraft kann ich mir nicht vorstellen, dass Führung ausschließlich aus der Distanz dauerhaft funktioniert.

Mobiles Arbeiten kann in der Zukunft vielleicht dazu dienen, dass Arbeit sich in den ländlichen Raum verlagern kann und es keine Notwendigkeit gibt, in die Städte zu ziehen. Pendelzeiten können verringert werden. Wichtig in diesem Fall ist jedoch, dass die Infrastruktur entsprechend vorhanden ist.

Aber auch Berufe, die örtlich gebunden sind, sind von der Digitalisierung betroffen. Auch in diesem Bereich hält der Trend zur Automatisierung an. Dies führt zum Wegfall von Arbeitsplätzen, lässt aber auch neue Tätigkeitsfelder entstehen.

Aus der Digitalisierung können neue Chancen entstehen, indem z. B. die Wirtschaftlichkeit gesteigert wird und schwere bzw. gesundheitsgefährdende Tätigkeiten nicht mehr von Menschen ausgeführt werden müssen.

Durch z. B. additive Verfahren wird es möglich sein, Tätigkeiten, die aufgrund der hohen Produktionskosten in andere Länder verlagert wurden, wieder nach Deutschland zurückzuholen. Dies kann Lieferketten aufrechterhalten bzw. Abhängigkeiten in einer globalisierten Welt minimieren.

Wichtig im Zusammenhang sind Aufklärung der Menschen, um hier die Ängste zu nehmen. Auch darf niemand abgehängt werden. Problematisch ist allerdings das Tempo, in dem die Veränderungen passieren.

Im Anschluss folgte ein Vortrag von Herrn Michael G. Möhnle. Er sprach über die digitale Revolution, die Herausforderungen und auch die heute bereits bestehenden Möglichkeiten und Gefahren.

Herr Möhnle verwies auf die Übermacht der Internetdienste wie facebook und google, die die digitale Welt unter sich aufgeteilt haben. Er sprach über den Umfang der Internetnutzung in der Bevölkerung, diese liegt bei der Bevölkerung von 14 – 28 Jahren bei bis zu sechs Stunden täglich.

Unter anderem zeigte er auf, dass die digitale Revolution bereits angekommen ist. Herr Möhnle erläuterte an dem Beispiel eines Programms, welches anhand verschiedener Krankheitsdiagnosen in der Lage ist, Krankheiten anhand Röntgenbilder zu diagnostizieren und eigenständig dazu zu lernen.

Herr Möhnle zeigte weiter auf, dass eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Deutschland automatisierbar ist. Ob eine Automatisierung letztendlich eintritt, ist aber nicht gesagt.

Auch wies er darauf hin, dass es unerlässlich ist, den Kindern und Jugendlichen digitale Bildung zu vermitteln.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Digitalisierung bereits weiter in unserer Welt angekommen ist, als viele von uns dies für möglich halten. Die Entwicklungen lassen sich nicht mehr zurückdrehen. Von daher kommt es auf uns an, mit den Gegebenheiten umzugehen und die richtigen Schlüsse in praktischer Handhabung zu ziehen und den rechtlichen Rahmen klug zu setzen.

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