Debatte zur Organspende im Bundestag – Meine Position

von hierl

10/07/2026

Jede und jeder von uns kann irgendwann auf eine Organspende angewiesen sein. Gleichzeitig warten in Deutschland rund 8.000 schwer kranke Patienten auf ein lebensrettendes Organ, deutlich mehr Organe als zur Verfügung stehen. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, Familien und Schicksale, die auf Hoffnung und Hilfe angewiesen sind.

Um die Bereitschaft der Bundesbürger zur Organspende zu steigern hatte der Deutsche Bundestag im Januar 2020 das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende verabschiedet. Ein Online-Register für Erklärungen zur Organ- und Gewebespende nahm im März 2024 unter seinen Betrieb schrittweise auf. Die Eintragung in das Register gilt als relativ kompliziert. Bislang haben sich rund 516.000 Bundesbürger sich im Organspendenregister registriert, eine eher bescheidene Bilanz.

Deshalb hat sich der Bundestag Ende Juni in einer Grundsatzdiskussion über die Organspende erneut mit dem Thema auseinandergesetzt. Einig waren sich alle Parlamentarier im gemeinsamen Ziel, die Zahl der Organspenden zu erhöhen und damit mehr Menschen die Chance auf ein Leben oder eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität ermöglichen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es jedoch hinsichtlich des Weges, auf dem wir dieses Ziel erreichen können. Es werden, zwei Ansätze zur Regelung der Organspende diskutiert: die Zustimmungs- oder Einwilligungslösung und die Widerspruchslösung. Bei der Zustimmungsregelung ist potenzieller Organspender, wer einer Organspende zu Lebzeiten zugestimmt hat; bei der Widerspruchsregelung, wer ihr zu Lebzeiten nicht widersprochen hat.

Ich persönlich habe jedoch Zweifel, ob die Widerspruchslösung hierfür der richtige Weg ist. Denn die Entscheidung über eine Organspende ist eine selbstbestimmte Entscheidung. Selbstbestimmung ist aber auch, sich mit dieser Frage nicht oder noch nicht auseinanderzusetzen. Bei der Widerspruchslösung sind eben auch diese Menschen zunächst erst einmal Spender.

Ob ein Weg zur Steigerung der Zahl von Organspenden beiträgt, hängt in jedem Fall von der Information der Bevölkerung ab. Hier haben wir das Potenzial der Aufklärung bisher bei Weitem nicht ausgeschöpft. Daher sollten wir auf Grundlage der bestehenden Einwilligungslösung weitermachen und um mehr Organspenden werben. Hierzu ist es vor allem wichtig die Information der Bürger zu verstärken, jeden Bürger verbindlich ansprechen und auch die Registrierung massiv zu vereinfachen.

Es ist zu erwarten, dass der Bundestag noch in dieser Legislatur über die Zukunft der Organspende entscheiden wird.


Beitrag teilen